Mehr Respekt für Bundeswehrsoldaten fordert Hans-Jürgen Papier, Präsident des Bundesverfassungsgerichts, ein. Er bezieht sich dabei auf diverse Protestierer bei der letzten öffentlichen Vereidigung in Berlin und auf diverse Statements von Leuten, die auf Soldaten schimpfen, die aus Afghanistan zurückkehren.
Ich bin beileibe kein Militarist und ich habe mich - und mache das heute noch - immer wieder gegen die Auslandseinsätze der Bundeswehr ausgesprochen.
Aber: Der Forderung von Hans-Jürgen Papier kann ich mich teilweise wirklich anschließen.
Wir brauchen eine Bundeswehr, das steht zumindest für mich außer Frage. Wir leben nicht in einer stabilen Welt und besonders wenn ich nach Osten schaue sehe ich noch immer einige Länder, in denen das Potential für die Machtübernahme eines durchgeknallten Psychopathen mit Weltherrschaftsträumen durchaus noch vorhanden ist. In so einem Fall beruhigt es doch sehr, die Bundeswehr als Landesverteidigung zu haben.
Ob diese Armee auf Wehrpflicht basieren oder aus Berufssoldaten bestehen sollte lasse ich an dieser Stelle mal offen.
Wichtig für mich ist, dass die Soldaten nicht einfach mal auf die Idee kommen, in irgendein Land einzumarschieren. Vielmehr bekommen sie den Befehl dazu von unseren Volksvertretern, also der Regierung und dem Bundestag. Oft wird dann von Aktivisten der Friedensbewegungen oder Pazifisten argumentiert, sie sollten dann den Dienst verweigern. Diese Forderung ist absolut blödsinnig und hätte nur negative Folgen für die Soldaten, nicht für die, die so ein Verhalten fordern. Außerdem ist diese Forderung inkonsequent in jeder Hinsicht. Wer zu solchen Boykotts aufruft, der müsste auch freiwillig auf viele moderne Dinge verzichten, weil die Unternehmen ja auch für militärische Institutionen arbeitet. Aspirin? Dürfte konsequenterweise kein Pazifist schlucken, denn Bayer liefert auch Impfstoffe und Medikamente für die Bundeswehr. Computer? Sowohl AMD als auch Intel produzieren auch Chips und Prozessoren für die militärische Verwendung. Ein echter Pazifist dürfte also konsequenterweise keine Computer nutzen oder in solchen Unternehmen arbeiten.
Ich könnte diese Liste noch über Seiten fortsetzen, denn viele Teile der Industrie arbeiten direkt oder indirekt für militärische Organisationen.
Aber zurück zum Thema. Was immer wieder vergessen wird, ist der Einsatz, den Bundeswehrsoldaten auch ohne Waffen leisten. Ich möchte da beispielsweise nur mal an die Überflutungen der letzten Jahre erinnern, bei denen man völlig übermüdete Bundeswehrsoldaten sehen konnte, die tagelang kaum schliefen und fast rund um die Uhr Sandsäcke stapelten, Deiche dichteten und versuchten, Menschen zu retten.
Wo das THW im Katastrophenschutz nicht ausreicht, da rückt die Bundeswehr mit schwerem Bergungsgerät, Hubschraubern, Ärzten und weiterem Rettungs- und Hilfspersonal an und leistet Hilfe, abseits jeglicher Waffenbenutzung.
Erstaunlicherweise schimpft keiner auf die Bundeswehr, wenn sie im Katastrophenschutz hilft. Mir ist auch kein Fall bekannt, in dem ein Pazifist einen Soldaten beschimpft hätte, der sich an solcher Hilfe beteiligt hat.
Wer gegen Auslandseinsätze der Bundeswehr protestieren will, der sollte nicht die Soldaten angreifen, sondern die Politiker, die sie in solche Einsätze schicken.
Demonstriert ruhig in Berlin, aber beschimpft nicht die Soldaten, sondern die Verantwortlichen im deutschen Bundestag.
Denkt dran, dass es im Katastrophenfall immer auch ein Soldat sein könnte, der euch aus dem Wasser zieht oder unter einem Baum wegholt.
Ich stehe nicht zu den Auslandseinsätzen der Bundeswehr, aber ich stehe zu den Bundeswehrsoldaten, alleine schon aus Respekt wegen der humanitären Hilfen, die sie oft leisten, die aber zu schnell vergessen werden.
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Freitag, 7. August 2009
Mehr Respekt für Bundeswehrsoldaten
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