Dabei führt Beckstein außerdem immer wieder an:
"Von den Amokläufen von Erfurt bis Emsdetten zieht sich die blutige Spur der durch den Konsum solcher Computerspiele ausgelösten Gewalt. Davor dürfen Politiker nicht die Augen verschließen."
Dazu sollte mal zunächst einmal festhalten, dass es zwischen Erfurt und Emsdetten
Ich habe vor längerer Zeit im Rahmen einer Satire einmal die Amokläufe in Deutschland von 1998 bis heute aufgeführt und dabei auch vermerkt, ob die Täter Bezug zu Killerspielen hatten. Ich möchte diese Auflistung hier noch einmal einstellen:
23. August 1998
Ein 57 Jahre alter Familienvater erschießt in Wolfsburg (Niedersachsen) seinen Schwiegervater und zwei Brüder seiner Frau. Vier andere Familienmitglieder werden verletzt.
Ein Computer mit »Killerspielen« wurde nicht gefunden.
16. Mai 1999
In Dillingen schießt ein 36-jähriger Amokläufer in einem Tanzlokal wahllos um sich und trifft zwei Menschen tödlich. Später tötet er noch einen Bekannten, dessen Frau und einen französischen Wohnungsinhaber. Am nächsten Tag erschießt er sich selbst.
Ein Computer mit »Killerspielen« wurde nicht gefunden.
1. August 1999
In Hagen eröffnet ein 24-Jähriger ohne Vorwarnung das Feuer auf einen Streifenpolizisten. Der Beamte stirbt eine Woche später. Auf der Flucht erschießt der Täter eine 41-jährige Frau und später sich selbst.
Ein Computer mit »Killerspielen« wurde nicht gefunden.
1. November 1999
Im oberbayerischen Kurort Bad Reichenhall schießt ein 16-jähriger wahllos auf Passanten vor seinem Elternhaus. Drei Menschen werden getötet und sechs weitere zum Teil schwer verletzt. In der Wohnung finden die Beamten die Leichen des Täters und dessen Schwester.
Die Zimmer des Angeklagten und seiner Schwester waren mit rechtsradikalen Symbolen dekoriert, eine Konsole mit Ballerspielen wurde sichergestellt.
9. November 1999
In Bielefeld erschießt ein 34-Jähriger aus Wut über einen zurückgewiesenen Heiratsantrag vier Frauen und drei Männer einer Großfamilie, bevor er sich auf der Flucht selbst erschießt.
Ein Computer mit »Killerspielen« wurde nicht gefunden.
1. Juni 2000
Im ostfriesischen Westerholt läuft ein 54-jähriger Arzt nach einem heftigen Streit vor einem Supermarkt Amok und erschießt zwei Männer.
Ein Computer mit »Killerspielen« wurde nicht gefunden.
14. Juni 2000
In Dortmund schießt ein offenbar psychisch kranker 31-Jähriger auf zwei Polizisten, die ihn kontrollieren wollten, weil er nicht angeschnallt war. Ein 35-jähriger Beamter stirbt noch am Tatort. Auf seiner Flucht hält der Täter in Waltrop neben einem Polizeiwagen und feuert ohne Vorwarnung hinein. Eine 34-jährige Polizistin und ein 36 Jahre alter Kollege sterben. Der Täter tötet sich mit einem Kopfschuss.
Ein Computer mit »Killerspielen« wurde nicht gefunden.
22. Dezember 2000
In Salzgitter erschießt ein 24-Jähriger sechs Familienangehörige und verletzt seine Mutter lebensgefährlich.
Ein Computer mit »Killerspielen« wurde nicht gefunden.
26. April 2001
Im oberbayerischen Dorf Neubeuern erschießt ein 33-Jähriger den Chef seiner Frau und eine andere Mitarbeiterin. Seine Frau und eine weitere Mitarbeiterin werden schwer verletzt. Anschließend schießt er auf sich selbst. Der Amokläufer und die 32-jährige Mitarbeiterin erliegen am nächsten Tag ihren Verletzungen.
Ein Computer mit »Killerspielen« wurde nicht gefunden.
19. Februar 2002
In einer Dekorationsfirma in Eching erschießt ein 22-jähriger Amokläufer den Betriebsleiter und einen Vorarbeiter. Danach fährt er ins nahe Freising und erschießt den Direktor einer Wirtschaftsschule. Der Täter sprengt sich anschließend in der Schule mit einer selbst gebastelten Rohrbombe in die Luft.
Ein Computer mit »Killerspielen« wurde nicht gefunden.
26. April 2002
Beim Amoklauf in einem Erfurter Gymnasium kommen 17 Menschen ums Leben. Unter den Toten ist auch der 19-jährige Täter. Der Jugendliche hatte die Schule gestürmt.
Der Täter spielte Counter Strike.
30. November 2005
Ein 40-jähriger Landwirt und Maschinenschlosser erschießt in Saltendorf einen Menschen und verletzt 6 andere, teilweise schwer.
Ein Computer mit »Killerspielen« wurde nicht gefunden.
20. November 2006
Ein 18-jähriger betritt seine ehemailige Gesamtschule in Emsdetten und schießt um sich. Er verlegt Rauchbomben im Gebäude und erschießt sich später selbst. 37 Verletzte, größtenteils durch Schock oder Rauchvergiftungen.
Der Täter spielte Doom und Counter Strike.
Ich denke mal, diese Auflistung spricht Bände. Wir haben definitiv kein Problem mit "Killerspielen", sondern ein Problem mit Politikern, die Ego-Shooter als Argument hernehmen, um die eigene schlechte Sozial- und Familienpolitik zu vertuschen.
Bei Beckstein selbst kommt meines Erachtens noch eine gehörige Portion Altersstarrsinn hinzu, da er sich jeder sachlichen Diskussion verschließt und, unabhängig davon ob richtig oder falsch, seine persönliche Meinung zum Gesetz machen will.
Das ist nicht nur hochgradig undemokratisch sondern zudem noch gefährlich.
Ich bin der Meinung, wenn der Herr Beckstein zu Diskussionen und für wissenschaftlich belegbare Fakten nicht mehr zugänglich ist, sollte er seinen Beruf als Politiker mit der Verpflichtung gegenüber einer demokratischen Grundordnung an den Nagel hängen. Wie viele seiner älteren Unionskollegen hat er sich weder politisch noch vom technischen Wissen entwickelt. Er lebt in einer vortechnologischen Zeit und seine Verbotsforderungen basieren meiner Meinung nach einfach nur darauf, dass er selbst nicht damit klar kommt, dass da etwas ist, was er nicht versteht. Und genau das nennt man Altersstarrsinn. Beckstein kann sich nicht weiter entwickeln und ist meiner Meinung nach daher für einen demokratischen Staat nicht mehr tragbar.
[*?]
Aufgrund eines Leserhinweises korrigiert. Der Tipp fügt der Liste einen Amoklauf im Jahre 2005 hinzu, der allerdings auch nicht in Zusammenhang mit "Killerspielen" steht und somit die Vorwürfe gegen Beckstein nur weiter erhärtet.










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